Windows 8 braucht Apps, um gegen Apples iPad anzutreten

Kann Windows 8 auf einem Tablet dem iPad die dominante Stellung streitig machen?
Das ist vielleicht die falsche Frage. Während der letzten paar Monate haben mehrere Hersteller »iPad-Killer« vorgestellt, mit denen sie Apple ein Stück des Consumer-Tablet-Marktes entreißen wollten. Die Konkurrenzmodelle fanden jedoch nicht den erhofften Anklang; eine kürzlich veröffentliche Analyse von J.P. Morgan deutet an, dass die Hersteller bereits anfangen, ihre Tablet-Produktion herunterzufahren aufgrund schwacher Verkaufszahlen.
»Firmen, die sich mit ihren Produkten in Konkurrenz zu Apples iPad positionieren wollten, haben ihre Konsequenzen aus den schwachen Absatzzahlen gezogen«, schrieb Mark Moskowitz, Analyst bei J.P. Morgan laut der International Business Times. »Wir sind der Ansicht, dass die Verbesserungen in Sachen Technik und Form, die beim iPad umgesetzt wurden, es für die Konkurrenz-Geräte der ersten Generation schwieriger machen, mit dem iPad 2 gleichzuziehen. Das heißt, die Verkäufe könnten weit hinter den Prognosen zurückbleiben«, so Moskowitz.
Kampf um eine Nische im Tablet-Markt
Die meisten dieser iPad-Konkurrenten werden mit Googles Betriebssystem Android ausgeliefert. Research in Motion versucht, mit dem PlayBook seine eigene Nische im Markt zu finden. Auf dem PlayBook kommt ein proprietäres, QNX-basiertes Betriebssystem zum Einsatz. Hewlett-Packard steigt diesen Sommer in den Markt ein mit einem Tablet auf webOS-Basis.
Letzte Woche hat Microsoft die nächste Windows-Generation vorgestellt, die betriebsintern als »Windows 8« bezeichnet wird. Diese Windows-Version wird Anwendern eine aus Kacheln bestehende Bedienoberfläche zur Verfügung stellen, mit denen Anwendungen aufgerufen werden können – ein Design, das optisch stark an Windows Phone angelehnt ist, das aktuelle Smartphone-Betriebssystem von Microsoft. Es wird auf einer Reihe unterschiedlicher Geräte lauffähig sein, von Desktops und Laptops bis hin zu Tablets.
Trotz der frühen Einblicke, die Microsoft gewährt hat, bleibt das Unternehmen zugeknöpft, wenn es um den Erscheinungstermin von Windows 8 geht, obwohl es Gerüchte gibt, laut denen das Betriebssystem 2012 auf den Markt kommen soll. Sollte dies zutreffen, heißt das, dass die Tablet-Version von Windows 8 gegen den Nachfolger des iPad 2 antreten wird, vorausgesetzt, dass Apple seinen üblichen Rhythmus beibehält und jedes Jahr eine neue Tablet-Generation vorstellt. Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass Windows 8 dem beliebten und fest etablierten Mitbewerber sofort große Marktanteile abjagen wird, kann Microsoft einiges tun, um innerhalb der ersten paar Quartale nach Erscheinen des neuen Betriebssystems seine Position im Markt zu stärken.
Windows Phone Apps an Bord
Als Apple 2010 die erste iPad-Generation vorstellte, betonte das Unternehmen, dass iPhone-Anwendungen kompatibel sein würden mit dem neuen Familienmitglied mit dem größeren Bildschirm. Es stimmt, dass iPhone-Apps nicht in derselben Liga spielten wie hochaufgelöste Anwendungen, die auf den größeren Bildschirm des iPad ausgelegt waren, aber der App Store mit seinen Tausenden von Applikationen enthielt genug Material, um Nutzer bei Laune zu halten, bis unabhängige Entwickler den Markt mit iPad-spezifischer Software überschwemmen konnten.
Anders ausgedrückt: wenn man ein Mobilgerät wie ein Tablet auf den Markt bringen will, ist es am besten, über ein breites Angebot an Apps zu verfügen, wobei die Apps auch funktionieren müssen. In den letzten paar Monaten hat Microsoft eifrig unabhängige Entwickler dazu ermutigt, Apps für Windows Phone zu programmieren – und obwohl der App-Marktplatz in puncto Größe keine Konkurrenz für Apples App Store oder den Android Market darstellt, kann sich die Zahl der Applikationen und Spiele, die zum Download bereit steht, zweifellos sehen lassen.
Wenn Microsoft es schafft, diese Windows-Phone-Anwendungen auf Windows-8-Tablets zu portieren, wäre schon viel getan, um eine breite Masse von Usern davon zu überzeugen, dass Tablets im Alltag durchaus ihre Existenzberechtigung haben – außerdem würde Microsoft dadurch die Zeit gewinnen, die das Unternehmen braucht, um weitere Windows-8-spezifische Anwendungen in großen Mengen zu produzieren.
Die technischen Herausforderungen, die das Portieren von Windows-Phone-Anwendungen auf Windows 8 mit sich bringt, könnten selbst den unerschütterlichsten Entwickler-Teams kollektiv die Köpfe explodieren lassen, wie eine Szene aus einem Film von David Cronenberg. Aber aufgrund der bereits aufgezählten Gründe könnte es die Mühe wert sein.
Cloud-Programme und alte Software-Versionen
In den letzten Monaten hat Microsoft in strategischer Hinsicht ganz auf die Cloud gesetzt. Der nächste große Baustein dieser Strategie ist Office 365, die Cloud-basierte Office-Plattform des Unternehmens und Konkurrent von Google Apps. Und wenn Windows 8 tatsächlich als Tablet-Betriebssystem eingesetzt werden soll, muss Microsoft seine Anstrengungen darauf konzentrieren, dass all diese Cloud-Komponenten sauber mit der neuen Benutzeroberfläche zusammenarbeiten – eigentlich hat Microsoft angesichts der großen Fortschritte, die Apple mit seiner iCloud macht, mit deren Hilfe Dokumente und Medien gespeichert und zwischen verschiedenen Geräten abgeglichen werden können, keine andere Wahl.
In diesem Sinne muss Microsoft darüber hinaus sicherstellen, dass ältere Windows-Programme wie Office nicht nur problemlos mit dem neuen Betriebssystem zusammenarbeiten, sondern auch, dass sie so in die Benutzeroberfläche integriert werden, dass sie langjährige Windows-Nutzer nicht verprellen. Bei den Tablets sollte Microsoft darauf achten, dass die Steuerung per Berührung bei diesen Programmen einwandfrei funktioniert.
Unterhaltung muss der Schwerpunkt sein
Obwohl andere Hersteller versuchen, echte Alternativen zu iTunes und dem App Store anzubieten, hat Apple nach wie vor eine beherrschende Stellung in diesem Bereich. Sollte sich das Gerücht, dass Amazon einen Tablet-PC auf den Markt bringen will, bewahrheiten, könnte das Unternehmen mithilfe seines Cloud Drive und dem Cloud Player Musik und Filme auf das Gerät bringen – und sich damit zu einem mächtigen neuen Rivalen in diesem Markt mausern. Microsoft sollte in Betracht ziehen, mit seinen eigenen Tablet-Plänen eine ähnliche Strategie zu verfolgen – entweder über die Zune-Plattform oder über ein ganz neues Mediencenter, das auch die Online-Videoplattform Netflix und andere Dienste einschließt. Die Alternative dazu wäre, gegenüber Unternehmen, die das Übertragen von Musik und Filmen auf die Mobilgeräte von Endkunden zu einer Kunstform erhoben haben, als Verlierer dazustehen.