Cloud und SaaS-Angebote irritieren die Großrechner

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Ein Mausklick auf dem PC oder Smartphone kann mehrere hundert Transaktionen auf einem Großrechner auslösen und so für unendliche Wartezeiten sorgen – für Onlinebanking oder große Shoppingdienste kann das zu Millionenverlusten führen. Was wo hängt in Client und Cloud können bereits diverse Tools für PC und Netzwerk herausfinden – und Tools für die Optimierung von Geschäftssoftware im Großrechner gibt es ebenfalls schon lange. Doch das Zusammenspiel, so Compuware, konnte bislang nur unzureichend durchleuchtet werden.

Der Trend: Application Peformance Management

Bernd Greifeneder, Gründer von dynaTrace, setzt seine bisherige PC- und Netzwerk-Prüfsoftware nun auch auf Großrechner an.

Das soll jetzt anders werden: Compuware will die vielen kleinen und unterschiedlichen Clients, die Verbindung über die Cloud und schließllich noch die Großrechner-Seite komplett durchleuchten. Mittel dazu ist die Anpassung der Software der (von Compuware aufgekauften) österreichischen Firma dynaTrace auf Mainframes.

Compuware, groß geworden mit Software für Mainframes und Performance-Optimierung darauf, hat die PC-Netzwerktechnik der Österreicher nun auch in seine Großrechner-Angebote eingebaut, um mit “Compuware APM for Mainframes” die Lücke zwischen der Client-Welt und den alten Monolithen zu schließen.

Maurice Groeneveld, Compuware-Vizepräsident, versicherte gegenüber ITespresso.de, das Mainframe-Geschäft sei noch immer ein sehr ergiebiges und aktives – große Unternehmen würden nicht so einfach Millionen-Investitionen der letzten 30 Jahre wegwerfen: “Die Cloud kommt nur dazu und setzt das früher übersichtliche geschlossene Mainframe-Umfeld neuen Anforderungen aus”. Schon deshalb hatte man sich seinerzeit dazu entschlossen, dynaTrace samt seiner patentierten Technik “PurePath” zur Anwendungs-Überwachung auf PCs und in LANs zu übernehmen. Die habe man nun in die kommende Version der Großrechner-Applikation-Management-Software “Strobe” integriert.

Riesige Listen von dem, was wirkich los ist, liefern die neuen Applikationen von Compuware jetzt auch auf Mainframes. Ob etwas davon nicht stimmt, meldet das System dann automatisch.

“Auch bei der Bereitstellung von Anwendungen auf Smartphones, Tablets und neuen Oberflächen verlassen sich viele Unternehmen weiterhin auf die bewährte, echte Mainframe-Verarbeitung der Transaktionen”, zitiert Compuware Jonah Kowall, Research Director bei Gartner. “Die Selektion und Nachverfolgung der Transaktionen über verschiedene Schichten ist dabei eine komplexe Herausforderung.”

100.000 Fehler am Tag

dynaTrace-Gründer Greifeneder erklärt die Funktionsweise von PurePath: “Wir senden kleine Agenten in alle grundlegenden Elemente von Applikationen, etwa in Java. Diese senden all ihre Messungen weiter, und so können wir bis auf die Code-Zeile genau sagen, wo ein Nadelöhr ist”. So habe man etwa eine Milliarde von Transaktionen pro Tag gemessen und komme auf durchschnittlich 100.000 Fehler am Tag. Das sind dann die vielen kleinen “Delivery”-Fehler, wie sie in Form schlechter Antwortzeiten bei Shopping-Systemen den Anwender nerven können. Nicht nur Netzwerk-Schwachstellen, wie sie von bekannten Sniffer-Tools gemessen werden, sondern in vielen Fällen die Anwendungen selber sind Auslöser solcher Verzögerungen.

“Fehler lösen oft auch weitere aus”, meint Greifeneder, und das sei vor längerer Zeit auch der Grund zur Entwicklung der dynaTrace-Software gewesen: “Ich wollte einfach wissen, warum die Systeme wirklich hängen”, also ob es seine eigene Software, das Betriebssystem oder das Netzwerk war.

Das in die Software gespritzte Kontrastmittel

Unsere Frage, ob die Agenten denn wie kleine trojanische Pferdchen funktionieren, die sich einklinken, wehrt er mit einem anderen Vergleich ab: “Stellen Sie sich das vor wie ein Kontrastmittel, das zur Computertomografie in die Adern gespritzt wird.”

Das Kontrastmittel zeigt etwa, wie viel Prozessorpower eine SQL-Abfrage schluckt, wie viele MIPS der Umgang von IBMs Mainframe-Betriebssystem z/OS mit bestimmten Befehlen schluckt, ob die J2EE-Anwendung auf dem Server oder die Java-Anwendung auf dem Handy Ressourcen verbraucht, und so weiter.

Die Myriaden von Daten, die hier auftauchen, müssen nun nur noch ausgewertet werden – und auch das tun die Anwendungen und Services von Compuware nun: Sie erkennen automatisch Anomalien und Schwachstellen und warnen dann, wenn etwas nicht stimmt.

Diesen Umgang mit “Big Data”, zu dem das Unternehmen vor allem Techniken wie Hadoop verwendet, hat Compuware ebenfalls in ein neues Produkt gepackt: Der “Outage Analyzer” überprüft die Leistung von SaaS-Angeboten weltweit. Er korreliert laut Anbieter mehr als acht Milliarden Datenpunkte täglich, die Compuwares “Gomez Performance Monitoring Network” sammelt. Auch hier hat man verschiedene Produkte vereint, um Ausfälle schneller aufklären zu können.

Die meisten Verzögerungen in Web Services werden von Ad-Serving ausgelöst, holt Bernd Greifeneder eine Präsentation über die häufigsten Fehler hervor, als Nummer 2 der aufgetretenen Fehler werden Web-Analyse-Tools wie Google Analytics aufgeführt.

Letztendlich gilt auch hier die alte Philosophie: “Alles hängt mit Allem zusammen” – denn Websites holen sich ihre Bilder hier, Social-Media-Verbindungen an anderer Stelle, Anzeigen dort, Kreditkartenprüfungen fürs Shopping anderswo – und im Grunde kann eine einzige falsch geschriebene Codezeile an irgendeinem dieser Orte alles durcheinanderbringen. Compuware behauptet nun, für ganzheitlichen Durchblick sorgen zu können, denn das letzte Stück des Datenrätsels, die Mainframe, hat man nun auch im Blick.

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