Italienisches Start-up baut App-Steuerung für die eigene Datenbrille

Datenbrillen verschiedener Anbieter sind nichts Neues und die bekannte Variante Google Glass ist die wirtschaftlich aussichtsreichste. Dem Trend zur Umsetzung der Augmented-Reality-Technik in einer Brille folgten bereits Start-Ups aus der ganzen Welt: Ein Australier baute kurzerhand das Google-Modell nach, die Hersteller Olympus und Brother präsentierten ihre Visionen dazu. Dann aber kam das italienische Unternehmen GlassUp mit der brillianten Idee, neben der “Anzeige zum Aufsetzen” eine eigene Brillensteuerung für eingeblendete Apps zu entwickeln. Das Smartphone, das die Brille mit Inhalten beliefert, muss demnach nicht mehr vorher ausgepackt und bedient werden. Die gesuchten Geldgeber haben die Italiener nun offenbar gefunden und machen sich jetzt daran, Apps zur Anwendung zu entwickeln.
Das Unternehmen aus Modena stellt nun die Top-10-Anwendungsgebiete vor. Darunter findet sich ein Nachrichtenüberblick, der Benachrichtigungen unterschiedlicher Apps übersichtlich in der Datenbrille zeigt – im Grunde also ein Sammel-Tool für die Präsentation von RSS-Feeds. Eine weitere App-Familie zeigt Sportdaten: Auf der rechten Brillenlinse werden Daten wie Geschwindigkeit oder Höhenangaben eingeblendet. Der Nutzer kann seine Performance umgehend einschätzen und hat nach wie vor beide Hände frei; GlassUp kann sich die Anwendung für Fahrradfahren, Segeln, Laufen oder einen anderen Action-Sport vorstellen.
Ideal eigne sich die Brille auch fürs Navigationssystem: Falls das Handy als Navigationsgerät genutzt wird, kann die Wegbeschreibung direkt auf der Brille dargestellt werden. Was Audi schon als Einblendung in die Auto-Fensterscheibe separat entwickelt hat, kann hier mit jeder Smartphone-Navi-Lösung geschehen. In der GlassUp-Anpassung zeigt die Brille die Daten transparent und fast zentral auf der rechten Linse an.
Anwendungen für Unterricht und Training können sich die Italiener auch vorstellen: An Übungen, Anleitungen, Musiknoten und Kochrezept-Einblendungen wird gearbeitet.

Zu den Top-Anwendungen gehören GlassUp zufolge auch Untertitel-Einblendungen für Kinofilme, Tourismus- und Sightseeing-Informations-Weitergabe, Wartungsarbeiten und Produktion, chirurgische Hilfen für den Arzt (in der Brille lassen sich beispielsweise während Operationen die aktuellen Patientendaten visualisieren), Logistik-Zwecke (wie die Kommissionierung von Produkten im Lager) oder Hilfen für Polizei und Feuerwehr (die Informationen zu Umgebung, Gebäuden oder dem genauen Standpunkt von Kollegen kann man einblenden).
Nicht alle dieser Ideen sind schon umgesetzt und Francesco Giartosio, CEO von GlassUp, wird täglich mit neuen Einfällen der Crowdfunding-Geldgeber konfrontiert. Statt die Datenbrille als Zweit-Display einzusetzen lässt sie sich hier direkt ansteuern und kann die Daten transparent in der Mitte zeigen – statt sie irgendwo in einen Randbereich zu setzen.
Per Bluetooth werden die gewünschten Daten vom Handy auf die Brille übertragen. Der Anwender bestimmt die Art und Menge der Daten, die ihm angezeigt werden. Interessenten können sich für 299 Dollar bis zum 30. August 2013 eine Brille auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo sichern.
Gezeigt werden, anders als bei den Brillen der Konkurrenz, nur einfarbige Daten im Sichtfeld des Brillenträgers. Neben den bereits im Betastadium befindlichen eigenen Brillen-Apps hat der Anbieter APIs für Drittentwickler bereitgestellt. In der Brille integriert ist Android, doch APIs für iOS und bald auch Windows sind schon in Entwicklung.