Joomla 1.5
CMS-Allrounder
Joomla 1.5 kann vieles besser
Joomla 1.5
… aber nicht alles. Im Rahmen eines umfangreichen Projektes, bei dem für eine Forschungsgruppe der Ohm-Hochschule Nürnberg eine Website aufgesetzt wurde, haben wir die neue Version des Content-Management-Systems einem ausführlichen Test unterzogen. Dabei wurde ein Webauftritt erstellt, der auch einen nicht-öffentlichen Bereich für registrierte Mitglieder beherbergt, einen Download- und einen News-Bereich, dazu Feedback-Funktionen und Diashows. Joomla wurde dafür auf einem LAMP-System installiert und um verschiedene Komponenten erweitert, unter anderem Fireboard, Community Builder, Docman und Phocagallery. Da die Site einem bestimmten Corporate Design entsprechen soll, wird auch ein eigenes Template entwickelt.
Die gute Nachricht vorneweg: sowohl der Admin als auch das sechsköpfige Redaktionsteam kommen mit Joomla 1.5 schnell zurecht. Selbst absolute CMS-Neulinge haben nach einer etwa halbstündigen Einweisung kaum noch Probleme. Ob man allerdings unbedingt sofort von einer stabilen 1.0.x-Installation auf die neue Version migrieren muss, sollten sich Admins ganz genau überlegen. Denn auch wenn die neuen Features Grund zur Freude bieten, müssen dem CMS noch einige Kinderkrankheiten ausgetrieben werden. Dafür, dass der Umstieg nicht reibungslos vonstatten geht, sprechen drei gute Gründe:
1. Da sich einiges an Joomla-Core, Framework und internem Code-Management verändert hat, sind 1.0.x- und 1.5.x-Versionen nicht vollständig kompatibel.
2. Zahlreiche Komponenten, Module, Plugins und Templates sind noch nicht für Joomla 1.5 verfügbar. Nur relativ wenige laufen unter Version 1.5 im Legacy-1.0-Modus.
3. Das einfache »Drüberinstallieren« führt auf vielen Systemen zu groben Fehlern. Sicherer ist es da, ein neues Joomla 1.5 aufzusetzen und vorhandene Datenbanken nachträglich zu migrieren und anzupassen.
Joomla 1.5 ist installiert und läuft. Über das Hauptmenü kann der Admin das CMS anpassen. ((Ins Bild klicken für vollständige Ansicht.))
Wer hingegen mit einer komplett neuen Website startet, kommt an Joomla 1.5 kaum vorbei. Das System ist konsistent, flexibel, gut bedienbar und es erfährt Dank einer sehr aktiven Community zahlreiche Erweiterungen. Auch Fehler und Sicherheitsprobleme werden schnell behoben. So gibt es zwei Wochen nach der Veröffentlichung von Joomla 1.5 bereits die Version 1.5.1, die unter anderem Sicherheitslücken in phpmailer und im neuen XML-RPC-Server schließt – auch wenn dieser standardmäßig ohnehin deaktiviert ist.
Die Neuerungen im Detail
Joomla 1.5
Vieles in Joomla hat sich mit Version 1.5 zum Positiven gewendet, vor allem in der Bedienung. Das Installieren und Verwalten von Komponenten, Modulen, Plugins und Templates ist jetzt in einem Konfigurationsbereich vereinheitlicht. Unter Extensions/Install lassen sich alle Typen von Erweiterungen hochladen und installieren. Joomla weist die Erweiterungen automatisch dem richtigen Register zu, wo sie vom Nutzer dann mit einem Klick aktiviert und deaktiviert werden können. Benutzer können so Plugins ganz einfach handhaben. Auf den Template-Manager haben allerdings nur Super-Administratoren Zugriff, um binnen Sekunden das Erscheinungsbild der Website zu ändern.
Zur Global Configuration von Joomla haben nur Super-Admins Zutritt. ((Ins Bild klicken für vollständige Ansicht.))
Im Article-Manager vermisst man jetzt das zweite Editorfenster. Statt Teaser und Haupttext in zwei Fenster einzugeben, legt man nun einen Text an, markiert die Stelle, wo der Teaser enden soll, und aktiviert den Button read more. Das Einfügen von Pagebreaks ist ebenso einfach geworden. Darüber hinaus wurde das Einfügen von Bildern vereinfacht und es stehen zwei Preview-Modi zur Verfügung: entweder nur der Seiteninhalt oder die Seite im Template-Design.
Ein Fenster statt zwei: Im Artikel-Editor gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Teaser- und Haupttext. ((Ins Bild klicken für vollständige Ansicht.))
Menüs können Anwender jetzt mit nur drei Mausklicks anlegen. Das Bearbeiten auch des Menütyps kann direkt erfolgen, es muss nichts deaktiviert oder gelöscht werden. In Joomla können Sie jetzt auf prinzipiell alles verlinken. Der Media Manager erlaubt nun Uploads, die über Batch-Dateien gesteuert werden – so lassen sich auch mehrere Files in einem Rutsch übertragen. In der Übersicht der Medieninhalte stehen Thumbnail- und Listenansicht zur Wahl.
Die Manager-Module lassen sich gut filtern und sortieren. Auch bei komplexen Projekten behalten Anwender so immer den Überblick über relevante Elemente. Voraussetzung dafür ist natürlich ein sinnvolles Konzept aus Sektionen und Kategorien einerseits sowie Navigations- und Ordnerstrukturen andererseits. Da Parameter- und Optionsmenüs in den Managern schnell ein- und ausgeklappt werden können, bleibt der Bildschirm immer aufgeräumt.
Im Test haben wir auch eine Registrier- und Login-Funktion integriert. Die Standardfunktionen sind in wenigen Minuten im Einsatz. Hat der registrierte Benutzer seine Login-Daten vergessen, kann er sie sich per E-Mail von Joomla zuschicken lassen. Wer die Registrierung umfassender und flexibler gestalten will, muss auf Zusatzkomponenten wie etwa den Community Builder zurückgreifen.
Features für Fortgeschrittene
Joomla 1.5
Auch unter der Joomla-Oberfläche hat sich einiges getan. Die Programm- und die Präsentationslogik des CMS werden im Kern jetzt deutlich getrennt von einander verwaltet, was Entwickler freuen wird. Ein neuer Foundationlayer für unabhängige Datenbankunterstützung gestattet auch den Einsatz von MySQLi und MySQL 5.
Entwickler sind mit Joomla 1.5 in der Lage, Templates anzubieten, die Anwender durch klickbare Optionen an ihre eigenen Bedürfnisse noch einfacher und schneller anpassen können. Neben besserem FTP-, LDAP- und PDF-Support erweist sich ein neues Framework mit objektorientierter und musterbasierter API als nützlich. Das neue ereignisbasierte Plugin-Framework macht erweitere User-Authentifizierungen per Google Mail und LDAP mittels Plugin sowie eine User-Synchronisation mit unabhängigen Quellen möglich.
Joomla 1.5 unterstützt zudem Atom-1.0- und RSS-2.0-Feeds, so dass Vielschreiber ihre Leser bestens mit Informationen versorgen können.
Welche Komponenten, Module, Plugins und Templates installiert sind, verrät der Extensions Manager. ((Ins Bild klicken für vollständige Ansicht.))
Fazit
Joomla 1.5
Joomla 1.5 erweist sich aufgrund seiner Übersichtlichkeit und guten Bedienbarkeit bei gleichzeitiger Flexibilität und Erweiterbarkeit als ideal für umfassende dynamische Webauftritte. Der Funktionsumfang der Standardinstallation ist sinnvoll gewählt, lässt sich jedoch durch das vereinheitlichte Upload- und Installationsmodul sehr leicht erweitern.
Die Installation von Joomla 1.5 gestaltet sich einfach. Wer sich in die Materie erst einarbeitet, dem empfiehlt sich der Einsatz von phpMyAdmin sowie das Studieren eines Handbuchs, da die Verwendung des CMS zwar einfach, aber keineswegs intuitiv ist.
Die g
lobale Konfiguration sowie die Administration von Joomla 1.5 sind übersichtlich gestaltet. Unser Praxisprojekt hat gezeigt, dass sich auch Anwender ohne Vorkenntnisse gut in die Module des fertig eingerichteten CMS einarbeiten können. Wer sich dafür entscheidet, ein vorhandenes Template einzusetzen und leicht zu modifizieren, ist auf der sicheren Seite. Müssen gezielt Vorgaben für ein Corporate Design erfüllt und Templates umfassender bearbeitet oder völlig neu erstellt werden, sind sehr gute Kenntnisse mindestens von PHP, CSS und xHTML notwendig.
Auf die Kompatibilität einiger Komponenten, Module, Plugins und Templates müssen Anwender zudem noch warten. Der Legacy-1.0-Modus hilft nur in manchen Fällen wie beim Community Builder und einigen Templates weiter. In anderen Fällen, etwa dem Media Manager CoRaSi, nützt er indes nichts.
Wer nach einem rundum gelungenen CMS für kleine bis mittelgroße Projekte sucht, das in seiner Komplexität übersichtlich und handhabbar bleibt, wird mit Joomla 1.5 zufrieden sein. Das kostenlose Open-Source-Paket ist absolut empfehlenswert.
Joomla 1.5
Hersteller: Joomla Development Team
Internet: www.joomla.de
Preis: kostenlos (Open Source, Lizenz: GPL)
Note: sehr gut
Leistung (40%): sehr gut
Ausstattung (30%): sehr gut (unter Einbeziehung der Community-Extensions)
Bedienung (30%): gut
Das ist neu
integrierte Komponenten-Installation
einfacheres Menü-Management
neue Frameworks für Plugins und API
eingängigere Benutzerführung
Systemvoraussetzungen
Windows, Linux oder Mac OS mit Apache ab 1.3.19, PHP ab 4.3, MySQL ab 3.23.x, Internet Explorer ab 5.5 oder Firefox ab 1.0.3