Die richtige Open-Source-Strategie
Früher war der Software-Kauf einfacher. Erstens gab es noch nicht so viele verschiedene Lösungen und zweitens musste man jeweils einen festen Betrag auf den Tisch legen. Heute drängen Services mit variablen Kosten und auch Open-Source-Programme ins Unternehmen, die oft völlig umsonst sind.
Dabei geht es nicht um Fragen wie »Firefox oder Internet Explorer?« sondern um den Einsatz von freien ERP-, CRM- oder CMS-Systemen. Doch wie kann man das richtige Maß für Open Source im Unternehmen finden und was muss man beachten?

Allein im Bereich »Enterprise« listet die Open-Source-Drehscheibe Sourceforge über 315 000 Projekte.
Wege zu Open Source-Software
Open-Source kommt meist auf zwei Wegen auf den Unternehmens-Tisch: Entweder ist der IT-Leiter Linux-Fan oder ein befreundeter Entscheider erzählt von hohen Kosteneinsparungen, die in seiner Firma durch den Einsatz von Open-Source-Programmen erzielt werden. Doch Vorsicht: Entscheider sollten sich nicht nur von den Einsparungen bei den Lizenzkosten blenden lassen, denn sonst kann es unter Umständen teuer werden.
Die Evaluierungs-Phase
Beim Evaluieren von Open-Source-Programmen sollten folgende Punkte beachtet werden:
Funktionalität
Die wichtigste Frage lautet »Erfüllt die Open-Source-Lösung alle Kern-Anforderungen?«
Kosten
Viele professionelle Open-Source-Lösungen sind nicht umsonst, etwa das Content-Management-System Alfresco oder Red Hat Enterprise. Hier kommen zwar Open-Source-Lizenzen zum Einsatz, für den Umfang des technischen Supports muss man aber bezahlen. In einer Studie »The 451 Group« wurden Open-Source-Projekte bezüglich ihrer Business-Modelle untersucht. Dabei kam heraus, dass es über 80 verschiedene Kombinationen von Lizenz-Strategie und Entwicklungmodell gibt.
Kompatibilität/Integration
Passt das Programm in die vorhandene Infrastruktur? Vorteil: Meist verwenden die freien Projekte offene Industrie-Standards. Jedoch kann es zu Problemen mit proprietärer Software kommen, etwa beim Einsatz von Linux-Clients in einer Active-Directory-Struktur. Hier ist eine Grundsatzentscheidung zu treffen: Lieber alle Lösungen aus einer Hand, wie es etwa Microsoft mit seiner Plattform-Strategie bietet oder verschiedene Lösungen kombinieren? Passend dazu müssen beim Umstieg auch die anfallenden Migrationskosten gerechnet werden.
Schulungskosten
Bieten die Open-Source-Alternativen eine ähnliche Ausstattung und Look-and-Feel wie bereits bekannte Programme? Diese Frage ist sehr wichtig, denn es geht nicht nur um die Sekretärin, die auf einen Workshop mit OpenOffice geschickt werden muss, sondern unter Umständen um IT-Personal, das etwa bei einem Umstieg auf Linux mit komplett anderen Tools arbeiten muss.

Red Hat gehört zu den großen Playern im Linux-Geschäft, die kostenpflichtige und professionelle Unterstützung für Enterprise Linux anbieten.
Support
Bei den meisten freien Projekten gibt es lediglich »normalen« Community-Support, also Foren, FAQs oder Mailing-Listen. Viele Firmen bieten darüber hinaus kostenpflichtige Unterstützung an. Profi-Support gilt als eine der wichtigsten Einnahmequellen von Open-Source-Anbietern.
Verlässlichkeit
Hier hilft nur testen, testen, testen. Die IT-Abteilung muss angedachte Lösungen vorab auf Stabilität prüfen. Generelle Angaben über die Stabilität von Open-Source-Lösungen sind unseriös. Hier sollten auch die Update-Politik sowie die Roadmap der Open-Source-Programme begutachtet werden.

Das neue OpenOffice 3.0 ist explizit auch für den Business-Einsatz entwickelt worden.
Flexibilität
Meist ein Pluspunkt von Open-Source-Projekten, denn der Quellcode ist frei verfügbar und kann angepasst werden. Doch ist dafür auch das Personal im Haus geschult oder wird teure externe Hilfe benötigt?
Weitere Artikel zum Thema Open Source und Linux finden Sie auf der Webseite IT im Unternehmen.
(Jörg Geiger/mt)

Professionelle Open-Source-Software wie das Content-Management-System Alfresco ist nicht umsonst.
Weblinks
Verzeichnis von Open-Source-Projekten
Content-Management-System Alfresco
RedHat Enterprise Linux
Studie von »The 451 Group«