Lizenz-Guide für Open Source
Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini gibt es seit Jahren einen harten Kern von Unternehmen, die Open-Source-Software einsetzen, um Geld zu sparen. Die Sparer-Quote liegt dabei stabil bei 20 Prozent. Das ist insofern interessant, als an anderer Stelle in der gleichen Studie die IT-Leiter von immer knapperen Budgets für echte Innovationen sprechen. Nur noch 22 Prozent des Geldes wandert in Neuheiten, der Rest wird für den Erhalt des Status Quo ausgegeben.
Eine schöne Aussicht also, wenn man Lizenzausgaben gezielt senken kann. Doch Vorsicht: Nur weil Open Source (OS) drauf steht, muss der Einsatz nicht kostenlos sein. Gut über 100 OS-Lizenzen gibt es heute, doch das sollte niemanden abschrecken.

Über 100 Open-Source-Lizenzen gibt es, doch die Details betreffen weniger den Einsatz als Änderungen am Code und die Weitergabe von Programmen.
Unterschied zwischen Open Source und Free Software
Die »Open-Source ist kostenlos«-Devise sollten Entscheider schnell vergessen. Open Source bedeutet nur, dass der Quellcode jedermann zur Verfügung stehen muss. Explizit ist dabei die Rede vom Ansehen und auch Verändern des Quellcodes. Die Free Software Foundation verwendet dafür den Begriff »freie Software«, mit dem vor allem die Freiheiten für Programmierer und Nutzer gemeint sind. Hier liegt auch ein Unterschied zu Freeware, bei der wirklich nur die kostenlose Nutzung des Programms im Vordergrund steht.
Drei Kernrechte: Nutzung, Modifikation, Weitergabe
Momentan gibt es über 100 verschiedene Open-Source-Lizenzen, etwa GPL, LGPL, APSL, MPL, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Sie unterscheiden sich in drei Kernrechten: Nutzung, Modifikation und Weitergabe.
Die gute Nachricht: Wer Open-Source-Software nur im Unternehmen nutzen will und nicht plant, den Code in eigenen Software-Projekten zu verwenden, der hat es einfach, denn beim Einsatz im Unternehmen sind die Programme in der Regel nicht eingeschränkt. Kosten fallen hier dann nicht für die Lizenz an, sondern für Dienstleistungen wie Beratung, Implementierung und Integration, Optimierung sowie Wartung und Support.

Nicht umsonst: Redhat Enterprise Linux ist nicht kostenlos, der Kunde zahlt für den Premium-Support.
Eigene Software-Projekte
Wer bestehenden Open-Source-Code nimmt und ihn in eigene Produkte einbaut, der sollte sich aber schon genau mit den zugrunde liegenden Lizenzen auskennen. Beispiel GPL: Die sehr weit verbreitete GNU General Public License erlaubt die uneingeschränkte Nutzung der Software, auch im kommerziellen Bereich. Außerdem darf man die Software verändern und weiterverteilen, Letzteres sogar kostenpflichtig.
Doch Vorsicht: Dem Empfänger müssen die gleichen Rechte zugestanden werden. Außerdem muss auch der Quellcode von veränderten Versionen der Software wieder jedermann zugänglich gemacht werden und das »neue« Programm steht wieder unter der GPL. Wer sich hier rücksichtslos bedient und die Lizenzbedingungen verletzt, verstößt gegen das Urheberrecht.
Hardware auf Open-Source-Basis
Übrigens gibt es auch schon Hardware-Hersteller, etwa Linksys und Netgear, die Geräte mit Open-Source-Firmware verkaufen. Auch hier gilt: Bei der Nutzung muss man keine versteckten Stolperfallen fürchten, wer jedoch die Firmware verändert, muss die Lizenz berücksichtigen.

Den Open-Source-Einschlag sieht man dem Netgear WGR614L nicht an. (Bild: Netgear)
Mehr als Lizenzkosten
Unternehmer sollten immer die Gesamtkosten im Auge behalten werden. Denn null Euro für die Lizenz helfen wenig, wenn die Wartungskosten in die Höhe schießen. Es bleibt also dabei, auch bei Open-Source-Programmen sollte der gleiche Auswahlprozess wie bei kommerzieller Software gemacht werden. Vorsicht ist vor allem dann geboten, wenn man Open-Source-Quellcode in eigene Projekte einbinden will. Hier ist die Lizenz vorab genau zu prüfen.
(Jörg Geiger/mt)
Weblinks
Studie Capgemini
Übersicht Open-Source-Lizenzen
Redhat Enterprise Linux
GNU General Public License
Open-Source-Router von Netgear
Internet Professionell-Report zum Netgear-Router