Facebook bespitzelt seine Nutzer systematisch

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Facebooks Chief Security Officer Joe Sullivan hat gegenüber Reuters bestätigt, dass verdächtige Inhalte genauer geprüft würden, um möglicherweise weitere Schritte einzuleiten oder die Polizei zu informieren. Facebooks Software konzentriert sich demnach auf Gespräche zwischen Mitgliedern, die nur lose miteinander verbunden sind. Kriterien dafür sind, dass sie erst seit Kurzem befreundet sind, keine gemeinsamen Freunde haben und nur wenig Kontakt pflegen. Das Tool berücksichtige aber auch Dinge wie Altersunterschied und den Standort von Personen.

Facebooks Chief Security Officer Joe Sullivan (Bild: James Martin/CNET)

Das Scan-Programm sucht Reuters zufolge auch nach bestimmten Formulierungen, die aus Chat-Protokollen von Kriminellen und Sexualstraftätern entnommen wurden. Die Analyse der Beziehung zwischen zwei Personen und des Inhalts ihrer Konversation müsse sich entsprechend ergänzen, bevor sich ein Mitarbeiter eine Unterhaltung tatsächlich vornehme und entscheide, ob die Behörden eingeschaltet werden.

“Wir wollten niemals eine Umgebung schaffen, in der Mitarbeiter private Gespräche prüfen. Von daher ist es sehr wichtig, dass wir eine Technik mit einem sehr geringen Anteil an Falschmeldungen verwenden”, sagte Sullivan gegenüber Reuters. Auch wenn es nur wenige Details über das Tool gibt, ist sehr wohl bekannt, dass Facebook mit der Polizei zusammenarbeitet.

Erst vor wenigen Monaten übergab das Soziale Netzwerk aufgrund eines gerichtlichen Beschlusses 62 Fotos, Nachrichten, Kontakte und Pinnwandeinträge eines Mordverdächtigen. Und jetzt übernahm die Polizei in Florida die Kontrolle über den PC einer 13-jährigen, die mit einem Mann Anfang 30 über Sex gechattet und für den nächsten Tag ein Treffen nach der Schule verabredet hatte.

Seine Zusammenarbeit mit Strafverfolgern beschreibt Facebook im Hilfe- und Sicherheitsbereich unter den Titeln “Strafverfolgung und Rechtsangelegenheiten Dritter” sowie “Information für Strafvollzugsbehörden“. Wie die Abteilung um Joe Sullivan arbeitet und welche Ziele sie hat – vor allem bei der Absicherung der Nutzer gegen Passwort-Hacks, Phishing und Malware – hat CNET im Januar in einem ausführlichen Artikel dargestellt. Eine breitere Diskussion zu seiner Überwachungstechnologie wird das Unternehmen wohl vermeiden wollen.

Denn vielen Nutzern könnte der Gedanke, dass ihre Unterhaltungen auf Facebook von einer Software überwacht werden, nicht gefallen. Schließlich wehren sie sich erstens auch gegen die unbegründete und ohne richterlichen Beschluss durchgeführte Überwachung ihrer Telefongespräche. Und zweitens könnten sie nie sicher sein, wann Facebook es für angebracht hält, die ermittelten Informationen außer zur Verhinderung oder Aufdeckung von Verbrechen auch zu kommerziellen Zwecken zu nutzen.

[mit Material von Emil Protalinski, News.com]

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