Dell Wyse Cloud Connect: das Büro in der Hosentasche

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Der Dell-Stick misst etwa 8 mal 3 mal 1,2 Zentimeter und wiegt rund 30 Gramm. Er sieht auf den ersten Blick aus wie ein etwas zu breit geratener USB-Stick, allerdings handelt es sich bei dem Anschluss nicht um einen USB- sondern um einen HDMI-Stecker. Damit verwandeln Anwender jeden Monitor mit HDMI-Eingang – dazu zählen praktisch alle halbwegs modernen Flachbildfernseher und PC-Monitore – in einen mehr oder weniger kompletten Computer.

Dell-Wyse-Cloud-Connect

Der Hersteller liefert in weiser Voraussicht ein HDMI-Verlängerungskabel mit, denn oft sind die HDMI-Ports hinter dem Bildschirm dicht zusammengedrängt, so dass der Stick womöglich benachbarte Anschlüsse überdecken würde. Da der Wyse Cloud Connect nicht per HDMI mit Strom versorgt werden kann, muss eine externe Stromquelle über den Micro-USB-Eingang her. Entweder verbindet der Anwender diesen mit einem USB-Port am Monitor (Flachbildfernseher bieten beispielsweise oft einen USB-Anschluss) oder einem USB-Netzteil, wie man es von Android-Smartphones kennt.

Letzteres gehört jedoch nicht zum Lieferumfang, lediglich ein entsprechendes Kabel legt Dell dazu. Alternativ lässt sich der Stick per MHL am Bildschirm anschließen. Dieser noch nicht allzu weit verbreitet Standard dürfte aber wohl eher selten zum Einsatz kommen. Der Vorteil ist allerdings, dass dafür keine extra Stromversorgung notwendig ist, weil hier der USB-Ausgang ohnehin zur Datenübertragung genutzt wird.

Android ohne Touchscreen steuern

Neben dem Micro-USB-Port bietet der Testkandidat noch einen Mini-USB-Eingang, über den sich externe Geräte wie Datenträger oder Maus und Tastatur anschließen lassen. Letzteres ist ohnehin ein Muss, denn an einem Touchscreen wird der Wyse Cloud Connect wohl nur in Ausnahmefällen eingesetzt. Für die Steuerung bleib also nur die klassische Kombination aus Maus und Tastatur, mit der sich Android aber inzwischen recht gut bedienen lässt.

Am besten eignen sich dafür Bluetooth-Modelle, die der User kabellos mit dem Stick verbindet. Damit bleibt der USB-Port etwa für den Anschluss externer Speichermedien frei. Das ist bei normalen drahtlosen Maus/Tastatur-Sets, die mit einem USB-Empfänger arbeiten, nicht der Fall.

Sind beide Eingabegeräte kabelgebunden, wird es kompliziert. Spätestens dann muss ein USB-Hub her. In Frage kommt allerdings nur ein aktiver Hub, im Test mit einem passiven funktionierte der Anschluss von Kabelmaus und -tastatur nicht. Mit der Mobilität des tragbaren Büros ist es dann wieder so eine Sache.

Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, müsste der Benutzer zusätzlich zum Wyse Cloud Connect noch einen aktiven USB-Hub mitnehmen – oder eben eigene drahtlose Eingabegeräte. Ein Adapterkabel für den Übergang von Mini-USB auf USB gehört übrigens nicht zum Lieferumfang, ist aber in der Regel ein Muss, um Peripherie anzuschließen.

Tablet-Technik im Riegelformat

Mit einem Blick auf die weitere Ausstattung lässt sich der Android-Stick treffend als Tablet ohne Display beschreiben. Neben Bluetooth gibt es WLAN 802.11 a/b/g/n, das sowohl im 2,4-GHz- als auch im 5-GHz-Band funkt (Dual Band), sowie einen Micro-SD-Kartenslot, mit dem sich der interne Speicher um bis zu 72 Gigabyte erweitern lässt. Das könnte schnell nötig sein, denn vom acht Gigabyte großen Flash-Speicher bleiben dem Nutzer nur 2,95 Gigabyte für eigene Dateien und Apps.

Dell Wyse Cloud Connect an einem Fernseher (Bild: Christian Lanzerath)

Auch die CPU gehört nicht gerade zur Hightech-Elite: Es handelt sich um einen Zweikern-ARM-Prozessor mit 1 GHz Taktfrequenz. Nicht nur auf dem Papier hinkt der Testkandidat damit aktuellen Smartphones und Tablets deutlich hinterher. Der PassMark Performance Test ordnet die Rechenleistung des Wyse Cloud Connect noch hinter dem Google Nexus ein, einem Smartphone, das bereits vor über zwei Jahren auf den Markt kam.

Dementsprechend bereiten rechenintensive Anwendungen, beispielsweise anspruchsvolle 3D-Spiele, Probleme. Full-HD-Videos laufen je nach Codec einigermaßen ruckelfrei, doch beim Öffnen von Apps oder dem Scrollen durch die Menüs kommt es im Test immer wieder zu kurzen Verzögerungen. Das stört im Alltag allerdings nicht wirklich – zumal Dell eher auf eine Business-Klientel abzielt, die die Multimedia-Fähigkeiten des HDMI-Sticks selten nutzen wird. Doch dass der Wyse Cloud Connect nicht zu den schnellsten Android-Geräten gehört, spürt man.

Stark eingeschränkte App-Auswahl

Bei der Wahl der Betriebssystemversion hat sich Dell für Android 4.1.2 entschieden, das bereits fast anderthalb Jahre auf dem Buckel hat. Laut Dell sollen künftig auch Updates auf neuere Versionen erscheinen, die Entwickler würden bereits daran arbeiten. Es ist zu hoffen, dass es diesbezüglich nicht bei bloßen Lippenbekenntnissen bleibt, wie man es von vielen anderen Herstellern kennt, die ebenfalls Android-Geräte verkaufen.

Als Nutzeroberfläche kommt das Standard-Interface von Android zum Einsatz. Der Wyse Cloud Connect ist “Google certified” und kann daher mit den üblichen Google-Apps wie Mail, Maps, YouTube und auch Play aufwarten. Dank letztgenannter Anwendung steht dem Nutzer theoretisch das komplette Angebot an Apps aus Googles Play Store zur Verfügung.

Die Betonung liegt allerdings auf “theoretisch”: Denn da der HDMI-Stick weder als Smartphone noch als Tablet erkannt wird, werden zahlreiche Apps erst gar nicht angezeigt, selbst wenn man gezielt danach sucht. Das schließt populäre Anwendungen wie DB Navigator, Spotify, Facebook, Adobe Reader, Dropbox, Zattoo, Dolphin und viele weitere mit ein. Wer diese Programme trotzdem nutzen möchte, muss sich die Installationsdateien woanders besorgen und die Apps manuell einrichten – zum Glück bietet Android diese Möglichkeit.

Selbst Google Chrome ist laut Play Store nicht kompatibel zum Wyse Cloud Connect, aber bereits vorinstalliert. Paradox: Beim Öffnen des Browsers wurden wir über eine neue Version der App informiert. Ein Klick auf “Aktualisieren” zwar zum App Store, wo sich das Update dann jedoch nicht installieren ließ. “Ihr Gerät ist nicht zu dieser Version kompatibel” lautete dort die Meldung. Das trübt den ansonsten recht zufriedenstellenden Eindruck erheblich, beraubt diese Einschränkung Android doch einer seiner größten Vorteile: der guten Erweiterbarkeit mit hunderttausenden von Apps.

Arbeitsumgebung für Business-User

Apropos Apps: Einige Programme installiert Dell von Haus aus vor, um den reisenden Geschäftsmann von heute gezielt anzusprechen. Der Dell Cloud Connect Manager ist für die Umsetzung und Einhaltung von Firmenrichtlinien zuständig. Admins kontrollieren damit den unternehmenseigenen Fuhrpark an Geräten wie PCs, Tablets, Smartphone und eben auch Wyse Cloud Connect. Welche Apps der Nutzer installieren und nutzten darf, ob eine Passwortsperre erforderlich oder die Nutzung externer Speichermedien gestattet ist – all das und viel mehr lässt sich aus der Ferne über ein zentrales Web-Interface bestimmen.

Der Admin kann Geräte und Mitarbeiter dabei in Gruppen einsortieren und so etwa einer ganzen Abteilung einfach bestimme Policies zuweisen. Er kann dies aber auch konkret für einzelne Anwender tun. Darüber hinaus sind weitere Enterprise-Apps wie Citrix Receiver, Citrix ShareFile, VMware Horizon View und Pocket Cloud vorinstalliert, über die User unterwegs auf ihre virtuellen Desktops sowie Dateien in der Cloud und im Unternehmensnetzwerk zugreifen.

Ziel ist es, dem Nutzer auch außerhalb des Büros die gewohnte Arbeitsumgebung bereitzustellen. Allerdings muss man erwähnen, dass die genannten Apps nicht an den Wyse Cloud Connect gebunden sind. Sie stehen frei im Play Store bereit und laufen ebenso auf anderen Android-Geräten. Dells HDMI-Stick ist also keineswegs Voraussetzung für die Nutzung dieser Programme.

Fazit

Ob sich der Wyse Cloud Connect als ernstzunehmende Alternative zu einem Notebook entwickelt, darf erst einmal bezweifelt werden. Voraussetzung für die Nutzung sind ein Bildschirm mit HDMI-Anschluss und passende Eingabegeräte zur Bedienung. Ein Notebook hat all das bereits an Bord. Ein Einsatz im Kioskmodus – etwa an Infoterminals – oder zur digitalen Beschilderung (Digital Signage) in Geschäften und auf Messeständen ist schon eher vorstellbar.

Letztendlich liegt es aber alleine an den Bedürfnissen und Interessen des Nutzers. Dann muss er aber auch mit den genannten Einschränkungen leben. Dazu zählen die nicht sehr leistungsstarke Hardware und insbesondere das magere App-Angebot, das sich direkt über den Play Store installieren lässt.

Wyse Cloud Connect

ITespresso Testurteil befriedigend

Hersteller: Dell
Internet: www.dell.com/de
Preis: etwa 100 Euro

Lieferumfang

Wyse Cloud Connect inkl. Schutzkappe für den HDMI-Stecker
Micro-USB-Kabel für Stromzufuhr
HDMI-Verlängerungskabel

Note: befriedigend

Leistung (40%): befriedigend
Funktionsumfang (25%): gut
Bedienung (30%): befriedigend
Dokumentation (5%): ausreichend

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