Intel führt Produkte und Techniken für die Zukunft vor

Auf seinem Future Showcase 2015 hat Intel am Donnerstag in Berlin Produkte und Technologien für das “Leben und die Welt von morgen” gezeigt. Dazu gehört unter anderem eine Drohne mit integrierter Intel-RealSense-Kamera, die Hindernissen selbstständig ausweichen kann. Außer aktuellen 2-in-1-Geräten, Smartphones, Intel-Mini-PCs oder dem bereits kürzlich präsentierten Compute Stick hat der Chiphersteller außerdem auch einen vernetzten, smarten Kindersitz sowie vielfältig einsetzbare Wearables gezeigt.

Zu Letzteren zählt etwa der Armreif MICA (My Intelligent Communication Accessory), der mit gebogenem Display und eigener SIM-Karte kommt. Er kann SMS empfangen und senden, an Termine erinnern oder Restaurants vorschlagen. Es gibt ihn unter anderem in einer Version mit 18-karätigem Gold. Für die Funktion ist das nicht erforderlich – zeigt aber dass Wearables zur Markteinführung eben auch als Statussysmbole vermarktet werden – oder vermarktet werden müssen, weil der praktische Nutzen unklar ist.
Erwähnenswert ist auch die durch die Intel-Tochter Basic entwickelte Smartwatch Peak, die beispielsweise in der Lage ist, Körpertemperatur, Puls oder Qualität und Dauer des Schlafs zu messen. Des Weiteren fungiert sie als Schrittzähler und erfasst ebenso den Hautwiderstand. Außer Armreif und Smartwatch können Jogger zudem die sogenannten SMS-Audio-Kopfhörer nutzen, um während des Laufens nicht nur Musik zu hören, sondern auch ihren Herzschlag zu überwachen.

Bei Smart Splint handelt es sich laut Intel um ein 3D-gescanntes und -gedrucktes Gerät, welches ursprünglich zur besseren Heilung von Knochenbrüchen und zur einfacheren Verteilung von Medikamenten entwickelt wurde. Mithilfe von Intels Entwicklungsplattform Edison soll es nun möglich sein, Druckänderungen bei Patienten mit zerebraler Lähmung zu messen und die Werte an eine App zu schicken. Ärzte sollen dann in der Lage sein, über die App das notwendige Medikament passend zu dosieren.

Intel Pro Glove wurde hingegen für die Industrie konzipiert – und zwar ebenfalls auf Basis von Intel Edison. Es handelt sich um einen Handschuh mit zahlreichen Sensoren, mit dem etwa Mitarbeiter aus der Produktion oder Logistik ihre jeweilige Tätigkeit schneller, einfacher und sicherer ausüben können. Denkbare Einsatzbereiche für den Pro Glove sind das automatische Scannen von Waren oder das Erkennen bestimmter Werkzeuge und Teile, um eine fehlerhafte Montage zu verhindern.

In Sachen Internet der Dinge hatte Intel auf dem Future Showcase 2015 auch einen intelligenten Kindersitz namens Smart Clip im Repertoire. Der soll verhindern, dass im Sommer im Auto vergessene Kinder an einem Hitzschlag sterben, indem er den Verschluss am Sicherheitsgurt des Kindes ersetzt und im Fall der Fälle einen Elternteil via Bluetooth über dessen Schlüsselanhänger alarmiert.
Zudem stellte Intel auf dem Event in Berlin seine energieeffiziente Smart-Home-Plattform Yoga Smart Home Gateway vor, welche sich nach dessen Angaben mit nahezu jedem Gerät verbinden lässt. Neben kabelgebundenen und kabellosen Sicherheitssensoren sind dies unter anderem Kameras, smarte Steckdosen, die Beleuchtung oder Entertainment-Systeme. Die lassen sich dann etwa auch von unterwegs mit jedem internetfähigen Mobilgerät steuern.

Zu sehen gab es darüber hinaus auch Anwendungen auf Basis der Intel-RealSense-Technologie, durch die sich Geräte mit Gesten, Mimik und Sprache bedienen lassen. Die Interaktion erfolgt dabei über eine 3D-Tiefenkamera. Beispielsweise zeigte das Unternehmen auf dem Intel Future Showcase eine mit der RealSense-Tiefenkamera ausgestattete Drohne, die nicht nur ihre Umgebung wahrnimmt, sondern auch fähig ist, sich im Raum zu orientieren und dadurch selbstständig Hindernissen ausweichen kann.
Als Einsatzgebiete für eine solche Drohne sieht Intel für die nahe Zukunft etwa die Inspektion von Energieanlagen oder Agrarflächen sowie den Transport von Gütern und Erste-Hilfe-Paketen bei Notfällen. Ein weiterer Anwendungsbereich für die RealSense-Technologie liegt laut dem Prozessorhersteller in der heimischen Küche. Beim Backen beispielsweise soll es zukünftig nicht mehr erforderlich sein, die Hände von Mehl und Zucker zu reinigen, um ein Rezept per Touchbedienung umzublättern. Mithilfe von RealSense sei es vielmehr möglich, das Gerät kontaktlos mit Gesten zu steuern.
Dank der RealSense-Technologie ist aber auch eine ebenfalls auf dem Future Showcase vorgeführte kontextsensitive Plattform denkbar, die zum Beispiel bei der Verwaltung von BYOD-Geräten in Firmen zum Einsatz kommen könnte. Diese soll zunächst alle im Unternehmen eingesetzten Smartphones und Tablets auflisten. Befinden sich die Mobilgeräte an einem sicheren Ort, etwa im Büro, werden die Sicherheitsmaßnahmen für sie gelockert. Verlässt der Mitarbeiter hingegen die sichere Zone, erkennt das GPS des Geräts, dass es sich auf einem entsprechend unsichereren Terrain befindet. Anschließend wird das Smartphone oder Tablet automatisch in einen besser abgesicherten Modus versetzt.

Auf seinem Future Showcase zeigte Intel weiterhin eine Übersicht über seine Mini-Computer. Hierzu zählt etwa der Mini-PC Intel NUC (Next Unit of Computing), den es laut Anbieter nun in einer neuen Version mit integriertem 10-Zoll-Touch-Display gibt. Die Leistungsfähigkeit des Kleinstrechners soll inzwischen ausreichen, um auch 4K-Videos reibungslos abzuspielen. Zu nennen ist hier ebenso der Ende April vorgestellte Intel Compute Stick – ein Mini-PC im USB-Stick-Format, der über eine HDMI-Schnittstelle an ein Display oder TV-Gerät angeschlossen werden kann.
Tipp: Wie gut kennen Sie sich mit der europäischen Technologie-Geschichte aus? Überprüfen Sie Ihr Wissen – mit 15 Fragen auf silicon.de.