Praxistest WD My Cloud: die Cloud für Zuhause

Data & Storage

Mit My Cloud hat Speicherspezialist Western Digital eine externe Festplatte im Angebot, die Zuhause oder im Büro als private Cloud funktioniert. Die neue Version arbeitet mit verbesserter Software und zwei Festplatten im RAID-1-Betrieb. Der ITespresso-Test zeigt, ob das Konzept aufgeht.

Mit My Cloud hatte der Festplattenspezialisten Western Digital beeits 2013 ein spannendes technisches Konzept vorgestellt, eine Art privater Cloud-Speicher für Zuhause oder fürs Büro. Das Konzept kam vor allem bei Anwendern gut an, die öffentlichen Cloud-Diensten misstrauen. Bei denen weiß man ja letztlich nie genau, wo die Daten eigentlich liegen und wer im Zweifelsfall darauf Zugriff hat. Die Idee hinter My Cloud ist es, die Cloud nicht auf anonymen Servern im Internet, sondern in den eigenen vier Wänden zu betreiben.

My Cloud Mirror arbeitet mit zwei Festplatten im RAID- 1-Modus. Alle Daten werden auf der zweiten Platte gespiegelt. Das System ist mit 4, 6 oder acht Terabyte Speicher erhältlich. (Foto: WD)
My Cloud Mirror arbeitet mit zwei Festplatten im RAID- 1-Modus. Alle Daten werden auf der zweiten Platte gespiegelt. Das System ist mit 4, 6 oder acht Terabyte Speicher erhältlich (Foto: WD).

Externe Festplatte an der Fritz-Box

My Cloud besteht aus einer externen Festplatte mit integriertem Betriebssystem, das an den Internet-Router angeschlossen wird. Alle PCs, Notebooks und Tablets greifen drahtlos über den Router auf die Festplatte zu. Die Software sorgt dafür, dass ausgewählte Ordner im Hintergrund und Daten automatisch auf der Platte gesichert werden. Die Software synchronisiert die Daten selbstständig mit allen Rechnern, so dass nicht nur jeder angemeldete Rechner Zugriff auf die Daten hat, sondern diese auch immer auf dem neuesten Stand sind. Damit ist das Konzept auch für Teams und kleine Arbeitsgruppen interessant.

Der Cloud-Gedanke zeigt sich darin, dass die Festplatte via Internet-Router auch von unterwegs ansprechbar ist. Anwender können sich so beispielsweise vom Hotelzimmer aus übers Web in das WD-System einloggen.

Die Festplatten von My Cloud lassen sich herausnehmen und austauschen. (Foto: WD)
Die Festplatten von My Cloud lassen sich herausnehmen und austauschen (Foto: WD).

Neue Version mit RAID-1-Betrieb

Jetzt hat Western Digital eine neue Version des Systems vorgestellt. Neu daran ist vor allem die Software “My Cloud OS 3”. Diese bietet Entwicklern ein Software Developer Kit (SDK). Damit können diese eigene Features programmieren. Wer schon ein My-Cloud-System hat, kann es mit dem OS 3 um die neuen Features erweitern.

Beim Testgerät der aktuellen Produktgeneration hat Western Digital zwei Festplatten mit jeweils zwei Terabyte Speicherkapazität verbaut. Diese arbeiten im RAID-1-Modus (Mirror Mode). Alle Inhalte auf der ersten Festplatte werden automatisch auch auf die zweite Festplatte kopiert und liegen somit doppelt vor. Das Plus an Sicherheit könnte allerdings schnell zunichte gemacht werden, wenn beispielsweise bei einer Spannungsspitze im Stromnetz beide Festplatten geschädigt werden. Denn diese hängen ja am selben Netzteil.

Das Benutzerkonto für My Cloud wird über den Webbrowser eingerichtet. (Screenshot: Mehmet Toprak)
Das Benutzerkonto für My Cloud wird über den Webbrowser eingerichtet (Screenshot: Mehmet Toprak).

Durch einen gegenüber der Vorgängerversion erweiterten Arbeitsspeicher von 512 MByte und einen schnellen Zweikern-Prozessor soll My Cloud Mirror auch große Dateien wie hochauflösende Fotos oder Videos schneller verarbeiten beziehungsweise von Festplatte 1 auf Festplatte 2 spiegeln. Zudem bietet die My Cloud zwei USB-3.0-Ports, an die sich beispielsweise weitere Festplatten anstöpseln lassen.

My Cloud im Praxistest

Die Inbetriebnahme geht im Prinzip noch einfacher als bei der Vorgängergeneration, denn es muss kein Gerätetreiber mehr installiert werden. Allerdings ist der Start auch diesmal nicht ganz ohne Haken und Ösen.

Die Festplatte ist mit wenigen Handgriffen startklar. Zuerst wird das leider etwas groß geratene Netzteil in eine Steckdosenleiste gesteckt und das WD-Gerät per Ethernet-Kabel mit dem Router verbunden. Danach startet man im PC oder Notebook einen Browser und ruft die Webseite mycloud.com/setup auf. Darin werden das Benutzerkonto für die persönliche WD-Cloud eröffnet und die Grundeinstellungen vorgenommen. Im Test gelingt der Zugriff auf die Festplatte aber erst, nachdem im Menü der Fritz-Box die Option “Computer starten, wenn über WLAN darauf zugegriffen wird”, aktiviert ist. Ist diese Hürde genommen, klappt der Betrieb problemlos.

Die Daten aus dem PC werden automatisch in das Verzeichnis von "WD Sync" hochgeladen. (Screenshot: Mehmet Toprak)
Die Daten aus dem PC werden automatisch in das Verzeichnis von “WD Sync” hochgeladen (Screenshot: Mehmet Toprak).

Nach der Einrichtung des Benutzerkontos lädt man die Synchronisations-Software “WD Sync” auf PC, Notebook oder Tablet. Alle Daten, die während der Arbeit im Verzeichnis von WD Sync abgelegt werden, lädt die Software über WLAN auf die Cloud-Festplatte. Daten, die man auf dem PC löscht, werden auch auf der Festplatte gelöscht. Bequemer geht Backup nicht.

Die Suche WD-Festplatte war im Test nur erfolgreich, wenn im Menü der Fritz-Box die Option "Computer starten, wenn über WLAN darauf zugegriffen wird", aktiviert war. (Screenshot: Mehmet Toprak)
Die Suche nach der WD-Festplatte war im Test erst erfolgreich, nachdem im Menü der Fritz-Box die Option “Computer starten, wenn über WLAN darauf zugegriffen wird”, aktiviert war (Screenshot: Mehmet Toprak).

My Cloud lässt sich einteilen in eine persönliche Cloud, auf die nur der registrierte Benutzer zugreift und eine öffentliche Cloud, in die man beispielsweise Gäste oder Mitarbeiter einlädt. Privatanwender könnten beispielsweise hier Fotos oder Videos ablegen, und sie so ihren Freunden präsentieren.

Über Smartphone oder Tablet-PC greift der Anwender auch unterwegs auf die Daten von WD My Cloud zu. (Screenshot: Mehmet Toprak)
Über Smartphone oder Tablet-PC greifen Anwender auch unterwegs auf die Daten von WD My Cloud zu (Screenshot: Mehmet Toprak).

Apps für Android und iOS

Zudem gibt es eine App “My Cloud” für iPhone oder Android-Mobilgeräte. Die App speichert auf Wunsch alle Fotos, die mit dem Smartphone gemacht wurden, automatisch in der WD My Cloud. Schießt der Anwender unterwegs ein Foto, kann der Kollege im Office dieses sogleich von der WD-Festplatte im Office herunterladen. Im Praxistest funktionierte das mit einem Android-Smartphone einwandfrei.

Wer beispielsweise in Urlaub ist, kann mit dem Smartphone angefertigte Bilder übers Web auf die heimische Festplatte sichern – sofern Bandbreite und Internetzugang unterwegs dies zulassen. Freunden kann man die Fotos über einen Link zugänglich machen. Daneben lässt sich My Cloud Mirror auch für Home Entertainment nutzen. Dabei werden Musik oder Videos auf Basis des DLNA-Standards (Digital Living Network Alliance) an kompatible Geräte wie Netzwerk-Player oder AV-Receiver gestreamt.

Trotz der doppelten Festplatte läuft die My Cloud Mirror sehr leise und wird auch bei längerem Betrieb nicht besonders warm. Im Test lag die Stromaufnahme zwischen 11 und 12 Watt. Die My Cloud-Variante Mirror mit zwei Festplatten und vier Terabyte Speicher kostet 310 Euro. Daneben gibt es eine 6-TByte-Version für 380 und eine 8-TByte-Version für 430 Euro.

Tipp der Redaktion: Im Artikel Netzwerkspeicher: Was Sie beim Kauf eines NAS beachten sollten, hat ITespresso erklärt, was die Geräte heutzutage leisten und für wen welche Funktionen und Leistungsmerkmale wichtig sind.

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